Linke Politik in Wandsbek

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Anti-Atom Demo in Berlin: Größte Demonstration seit Tschernobyl

Posted by Udo Schuldt (udo) on Sep 07 2009
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Zur größten Anti-Atom-Demonstration seit über 20 Jahren kamen am Samstag ca. 50 000 Teilnehmer(innen) in Berlin zusammen. In einem kilometerlangen Zug, begleitet von Treckern und Lautsprecherwagen, zogen sie vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt zum Brandenburger Tor.


Foto: indymedia; Lizenz: Creative Commons

Alleine schon die in Dreierreihen abgestellten Traktoren, mit denen Bauern überwiegend aus dem Wendland gekommen waren, nahmen die Straße des 17. Juni vom Brandenburger Tor bis fast zu Siegessäule ein. Aktivist(inn)en aus allen Generationen, darunter auffallend viele Jüngere, brachten so ihren Protest und Widerstand gegen die Politik der derzeitigen Regierung unter Angela Merkel und einen nach der Bundestagswahl möglicherweise drohenden Ausstieg aus dem „Atomausstieg“ zum Ausdruck.

Ein Sprecher der IG Metall aus Salzgitter erklärte, dass auch seine Gewerkschaft, in der viele VW-Mitarbeiter(inn)en organisiert sind, gegen die Atommüllagerung beispielsweise in Schacht Konrad kämpfen werde. In einer Video-Liveschaltung zur gleichzeitig stattfindenden bundesweiten Großkundgebung der IG Metall in Frankfurt übermittelte auch der IG Metall–Vorsitzende Huber die Solidarität der dort zu Zehntausenden versammelten Gewerkschaftler(innen) mit der Anti-Atom-Bewegung. Er wie auch die Rednerinnen und Redner von der Bäuerlichen Notgemeinschaft, vom BUND, von der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg sowie vom Bundesverband Erneuerbare Energien forderten eine Abkehr von der Atomkraft und eine Energiewende hin zu den regenerativen Energien. Der nach den Wahlen neuzubildenden Bundesregierung wurde zugleich der Kampf angesagt für den Fall, dass sie den Atomausstieg rückgängig machen wolle. Stattdessen wurden mehr Schritte zu einem rascheren Atomausstieg gefordert.

Ein Greenpeace-Sprecher aus Finnland berichtete, dass das dort in Bau befindliche AKW, welches von einem deutsch-französischen Konsortium unter Beteiligung von Siemens errichtet wird, bereits jetzt doppelt so viel wie veranschlagt kosten soll. Diese Mehrkosten müssten dann von den Steuerzahlern (auch aus Deutschland) und den finnischen Stromkunden aufgebracht werden.

Die Vorsitzende der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs) machte auf den Zusammenhang zwischen „ziviler“ Atomkraftnutzung und Atomwaffenbau aufmerksam: beide bedingen sich – auch finanziell – gegenseitig. (Ihre Rede, die leider nur von einem Lautsprecherwagen aus verlesen wurde, dokumentiere ich im Anhang).

Mit dieser Demonstration hat die Anti-Atom-Bewegung eine neue Stärke und Präsenz bewiesen. Einer Regierung, die die längst überfällige Abschaltung der Atomkraftwerke noch weiter verzögern und an ungeeigneten "End"lagerstandorten wie Gorleben, Asse oder Schacht Konrad festhalten möchte, steht sehr wahrscheinlich größerer und langanhaltender Ärger ins Haus. Auch das einstürzende Endlager Morsleben, in das Angela Merkel als Umweltministerin noch größere Mengen westdeutschen Atommülls (nach DDR-Recht) einlagern ließ, dürfte der Kanzlerin früher oder später doch noch auf die Füße fallen.

Text: Indymedia

Last changed: Sep 07 2009 at 12:41:34

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